Letztes Jahr war unser Iserlohner Kinderchor in Holland zur Chorfreizeit. Dort trafen sie auf den Kinderchor aus Leuuwaarden. Wenn die zusammen verbrachte Zeit auch nur sehr kurz war, entstanden doch Freundschaften und der Abschied war nicht so einfach. „Kommt doch nächstes Jahr zu uns!“ sagten alle. - Und sie kamen ...
Am Freitag, den 06.06.08 war es dann soweit. Um 17:00 Uhr traf der Bus mit dem gelben Kennzeichen ein. - Die Kinderfreizeit fand in der Saatschule in Iserlohn-Letmathe statt. Ein passender Name, denn eine Saat wurde ausgestreut. Die Saat der Freundschaft über Grenzen hinaus.
Nachdem sich alle in der Turnhalle häuslich niedergelassen hatten, gab es Nudeln mit Soße. Alle konnten sich stärken und anschließend nicht nur den Schulhof erkunden, sondern auch die jeweiligen Kinder. Um 23:00 Uhr war dann nach einer schönen Kissenschlacht Ruhe.
Samstag, 7:00 Uhr, es gab Frühstück. Ein Abenteuer und eine logistische Meisterleistung, für 90 Kinder Brote zu schmieren, die auch noch für das Lunchpaket nach Vosswinkel reichen mussten.
8:15 Uhr kam der Bus und es ging los. Auf in den Kletterwald. Schnell die Kinder zählen, damit wir hinterher nicht mit weniger nach Hause fahren. Hier gab es für die Instrumentalisten erst einmal eine Probe. In der Zwischenzeit ging die erste Gruppe in Richtung Kletterwald. Im Abstand von ca. einer halben Stunde, ging die nächste Gruppe. Und zum Schluss die „Instrumente“ und die größeren Kinder.
Jede Gruppe war mit zwei Trainern und ein paar mutigen Betreuern versehen. Am Anfang gab es eine Einweisung und die Erklärung, dass man am besten durchkommt, wenn man sich gegenseitig hilft. - Bei der Überlegung, was können wir tun, wenn die Holländer da sind, kam der Gedanke an den Kletterwald. Hier müssen sich die Kinder gegenseitig helfen, um weiterzukommen. Deshalb haben wir gedacht, dass ist genau das Richtige.
Die Reihen waren bunt gemischt und jeder musste auf seinen Nebenmann achten und ihn fragen, wenn er die Sicherheitsleine umhaken wollte. Der Bezirksevangelist Onkel Bert aus Leuuwaarden musste seinen Nebenmann fragen, ein 6jähriges Mädchen und erst wenn sie sagte, es ist ok, dann erst hat er sich umgehakt. Alle haben auf den anderen aufgepasst, ob der Haken auch richtig saß. Auf die Betreuer passten die Kinder besonders auf. Und wenn einem mulmig wurde, bekam man zu hören: "Schau nicht nach unten, dann ist es nicht so schlimm."
Eines hat mich besonders berührt. Wenn Jungen miteinander spielen, neigen sie ja dazu, sich gegenseitig aufzuziehen und sich zu foppen. Nach dem Motto, das kannst du nicht, du traust dich nicht. Mein Sohn hat Höhenangst und ist sonst nicht dazu zu bewegen auf einen Turm zu steigen. Ich dachte, er geht erst gar nicht darauf, wenn er das sieht. Aber alle gingen rauf und wie das so ist, wer will schon aufgeben. Es ging besser als ich dachte. Dann kam der zweite Weg, der war schon höher und da gab es Stellen die sahen "gut" aus. Als Mutter kommt die Sorge, wie wird das gehen. Werden seine Freunde lachen wenn er Angst bekommt?
Meine Sorge war ganz unberechtigt, denn sein Nebenmann hat sich als wahrer Freund erwiesen. Nach jedem überstanden Hindernis hat er meinen Sohn gelobt und gesagt "Hey echt cool gemacht. Du bist echt gut." An einer besonders schwierigen Stelle kam dann doch die Panik. Hier wurde nicht gelacht, auch wenn Tränen flossen. Ich als Vordermann und sein Freund als Nebenmann haben es geschafft, ihm Mut zuzusprechen und gemeinsam haben wir alle dieses Hindernis gemeistert. Dann ging es noch einmal sehr hoch hinaus und eine Seilbahn aus ca. vier Metern Höhe brachte uns wieder auf die Erde. Die Tränen bei meinem Sohn waren vergessen. Mit Wonne sauste er da hinunter, während ich, als ich dran war, dann den vollen Zuspruch meines Nebenmannes brauchte. Ich fand das nicht so lustig. Bin aber heile runtergekommen.
Während die einen mit den Kindern in den Bäumen hangelten, haben in der Zwischenzeit die anderen Betreuer dafür gesorgt, dass Obst und Gemüse geschält und geschnippelt wurde. Als wir von der Kletterpartie wieder zum Zelt kamen, kam uns schon der Duft der Bratwürstchen entgegen. Nach dem Essen, gab es eine Chor- und Orchesterprobe, was auch so manchen Besucher des Wildwaldes innehalten ließ. Anschließend war der Spielplatz freigegeben. Hier konnten sich alle austoben und bei den warmen Temperaturen war keiner böse, wenn er "versehentlich" ins Wasser gefallen war !!!
Über einen kurzen Besuch unseres Bezirksältesten Michael Kiehne, durften wir uns auch freuen. Er hatte schon so viel gehört und wollte wenigstens einmal alle sehen, da er am Sonntag leider nicht zum Gottesdienst kommen konnte.
Um 17:00 Uhr sollte es nach Hause gehen. Schnell alle durchzählen. Hat jeder Betreuer seine Kinder? Jawohl, keiner fehlte. Wir hatten sogar ein Kind mehr. Nein, nein, wir haben kein fremdes Kind mitgenommen. Eines unserer MUKI’s war im Vorfeld krank und kam nun erst in Vosswinkel dazu. Auf der Fahrt nach Hause lernten wir (die Betreuer) erst einmal alle Fußballlieder "es ist ja EM habe ich mir sagen lassen". Solidarität für alle. Aber dann kamen die Chorlieder, ob deutsch, ob holländisch, von Müdigkeit, außer bei den Betreuern, keine Spur.
Während die Busse wieder zurück fuhren, waren bereits liebe Hände schon in der Schule und brieten Bratkartoffel. So konnte die hungrige Meute gleich zu Tisch.Nach dem Essen war noch Zeit zum Spielen. Das gute alte Völkerball, was wir den Holländern letztes Jahr gelehrt haben (die kannten das nicht) wurde wieder gespielt. Dann merkte man aber doch, dass der Tag anstrengend war.
Um 21.30 Uhr fielen die ersten ins Bett. Hierbei sei noch anzumerken, dass es toll war. Wir haben in einer riesigen Turnhalle geschlafen, aber nicht getrennt, in dieser Hälfte die Deutschen und auf der anderen Seite die Holländer. Nein, alle haben durcheinander gelegen, man konnte keine Grenzen ziehen. - Die Nachtruhe kam dann auch viel schneller als Freitag.
Sonntag, ab 8:00 Uhr gab es Frühstück. Um 10:00 Uhr sollte Gottesdienst sein. Die Halle - am Morgen ein großes Durcheinander. Bei 115 Personen?! Aber es wären nicht unsere Kinder, wie jedes Mal, so auch jetzt mit den Holländern. Ab 8:30 Uhr war nichts mehr zu sehen. Die ersten Vorbereitungen für den Gottesdienst liefen. Matten und Bänke mussten her, die Beschallung wurde installiert, der Altar gerichtet. Unterdessen trafen die ersten Eltern ein und brachten die Kuchenspende mit. Unsere Gäste sollten sich vor der Heimfahrt noch einmal stärken können.
10.00 Uhr: der Gottesdienst beginnt.
Der Bezirksälteste Thomas Fröhlich aus dem Bezirk Hamm ist auf Wunsch der Kinder gekommen. Auch wenn er jetzt zu einem anderen Bezirk, also nicht mehr Iserlohn gehört, schlägt sein Herz für seine MUKI’s und auch die Kinder haben ein besonderes Verhältnis zu ihm. Übersetzt wird der Gottesdienst von einem Betreuer der Holländer, Mario.
Ein schönes Bild am Altar. Die Amtsträger sind nicht nur aus Deutschland. Es wurde viel gesungen. Der Höhepunkt, im Gottesdienst, war sicher die Geste der Freundschaft. Vor dem Gottesdienst wurde an alle Teilnehmer ein Band ausgeteilt. Nun sollte jeder seinem Nachbarn das Band als Symbol der Freundschaft umbinden. Ein ganz tolles Bild.
Nach dem Gottesdienst wurden noch alle "Kinderen" und Betreuer zum Gruppenfoto verdonnert. Anschließend gab es die Stärkung bei Kaffee und Kuchen. Die Zeit wurde noch für Gespräche und den Austausch der Adressen genutzt. "Ihr kommt doch nächstes Jahr wieder zu uns nach Holland?" so war es überall zu hören. "Ja!"
Mit - Laudato si - gesungen (schade, dass ihr das nicht hören könnt) ging es in einer Polonäse über den ganzen Schulhof.
Nun hieß es Abschied nehmen. Dieses Jahr fiel es noch schwerer als letztes Jahr. Man ist in dieser Zeit doch schon zusammengerückt. Ein Band versperrte die Straße: "Ihr sollt nicht fahren." Aber alles Schöne hat einmal ein Ende, solange wir hier sind. Nun ist der Bus verschwunden und auch unsere Kinder machen sich auf nach Hause. Fleißige Hände räumen noch auf und als alles besenrein ist, geht es auch für die Betreuer nach Hause. Fröhlich, aber müde. Machen wir nächstes Jahr wieder mit? Na klar, was für eine Frage.
Dui!! Wie der Holländer so schön sagt.
6. Juni 2008
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